Schick / Tuerlinckx / Zoepf – Ensemble A
… eher eine Mitarbeits-Musik, der man sich anvertrauen muss. Dann aber entsteht genau das, was man ein ästhetisches Glücksversprechen nennen kann, bei dem man hörend die Fäden immer neu ziehen darf.
… eher eine Mitarbeits-Musik, der man sich anvertrauen muss. Dann aber entsteht genau das, was man ein ästhetisches Glücksversprechen nennen kann, bei dem man hörend die Fäden immer neu ziehen darf.
Blendend aufgelegt ist das Trio von Sebastian Scobel an der Orgel, Philipp Brämswig an der Gitarre und Thomas Sauerborn am Schlagzeug. An der übernächsten Ecke geben die drei wieder Stoff unter den Rausch und hämmern pustevoll und geradeheraus den Popbrei durch die Formtülle, geradezu Prince-zisch beim Schlusstitel. Wadatsch!
Die vier Musiker schlabbern mit einer Spielfreude durch Genres und Klanggefühle: Mit Druck und Lässigkeit. Mit Leidenschaft und Verwirrtuosität sondergleichen.
Welcome in Loopcity 1. Man steht einem Ampelmännchen gleich an Klangspurenüberweg und lässt die Stimm- und Sprachfetzen durchrauschen.
Immer wieder ist es ein Wunder, wie sich diese vier Musiker im Metrum flexibel ausflankieren. Das rutscht wie von Geisterhand. Der erste Part von «Where is Charles?» brodelt und braust daher so irrwitzig auf und steht über ganze 43 Minuten unter einem permanenten Klangdruck. Ist schon heftig und ein Glück!
… Die Hammond-Orgel flötet mal hier, dann kreischt sie; die Drei drehen manchmal dermaßen auf, dass man vom Stuhl kippt, wenn zum Beispiel Al Agami als rappender Lyriker dem Trio Infernale im Titelstück «Time Again» zur Seite steht. Das ist ohne Umwege glanzvoll und pures Energiespiel …
… Die Brüche in den Gestaltungsmitteln zwischen Song und Klangstudie sowie Jazzpassage tragen zur Irritation und Verschiebung des Gewöhnlichen bei. Aber reicht das aus, wo es doch auch um das Bodenlose – den Krieg und die Geschichte der Menschheit – geht? …
… Eine musikalische Umarmung – ein bisschen mehr schweben könnte es freilich trotzdem und auch ein bisschen mehr sich anerden. Bei «Sunflower Dream» oder «All that Land» ist man ganz dicht dran, am Wachtraum, an der glücklichen Fügung des Selbstverständlichen, ungegenständlich Konkreten, wo die Musik so flügelleicht schimmert.
… «Irgendwo dazwischen» heißt das Album und legt sich damit irgendwie auch nicht fest. Ein «Dazwischen» spielt sicher auch auf die Lebenssituation an, in der sich die Musiker:innen «zwischen Studium, Berufseinstieg, Auslandsaufenthalten und was sonst noch zum Leben als Jazzmusiker*in dazugehört hat» befinden. Das lässt die konzentrierte Spielkultur besonders interessant werden. …
… weil es auch ein großer musikalischer Spaß ist. Ja, doch: Die Stücke können ohne Gesang durchaus bestehen, gerade, wenn man sie neu formuliert – sie aktualisieren sich auf diese Weise in neuer Frische. Man kann es genießen, auf die Stimme zu verzichten. …
… Die Meisterschaft, wie sich das Quartett auch in mikrotonalen Gefilden bewegt und mit elektronischen Klängen umgeht innerhalb einer Welt der gelenkten Improvisation, ist schlechterdings überwältigend. Man darf sich hier einfach mal faszinieren lassen von so viel Ideenreichtum, der dabei immer durch seine Formung erst zum musikalischen Statement der schwebenden Selbstverständlichkeit ausreift. … #Jazz #Hörbar #Ullmann #Kosack #Lange #Saito
Was dabei herauskommt, ist allemal ein manchmal recht grob geschnittenes Stück Musik, manchmal auch eine fieselchaotische durchfaserte Mischung von Klang, Geräusch, Linie, Rhythmus und Harmonik. Das wiederum – und deshalb geht das Konzept auf – ist radikale „Kunst“-Musik.