Hans Heller

Umso erfreulicher ist die Spurensuche, die Jascha Nemtsov unternommen hat – biographisch wie auch durch das Schaffen. Die sechs ausgewählten Werke zeigen Heller bereits in den 1920er Jahren als einen auch dodekaphon arbeitenden Komponisten, dessen dunkel timbrierte Werke Tendenzen des Expressionismus (Klaviersonate) wie des Neoklassizismus (Suite) aufnehmen. Es ist zu hoffen, dass es nicht bei dieser ersten Produktion bleibt, sondern noch mehr aus dem Œuvre erkundet wird.
Hans Gál

Trotz seines langen Lebens ist es um Hans Gál (1890–1987) merkwürdig ruhig geblieben. Nach Studien im post-Brahms-Umfeld und einem Opern-Erfolg (Die heilige Ente, 1923) wurde er 1929 Direktor des Mainzer Konservatoriums. Von den Nationalsozialisten 1933 des Amtes enthoben, wandte er sich zunächst wieder nach Wien, ging dann nach Großbritanien und fand ab 1945 im schottischen […]
Carl Frühling

Unbekannt verzogen. So oder ähnlich ergeht es einem, wenn man nach weiterführenden Informationen über Carl Frühling (1868-1937) sucht. Valide Daten und Dokumente zu seinem Leben sind rar und schwer zu finden – eine Aufgabe für die Zukunft, dem konservativen Komponisten mit Kontakten zum späten Brahms-Umkreis eine klarere Physiognomie zu geben. Denn offenbar hat Frühlings selbst […]
Duets / Schneiderman-Yamaya Duo

Duo oder Duett? Die Frage scheint auf den ersten Blick etwas überflüssig und nerdig, doch im Kern lässt sich das instrumentale Duo vom vokalen Duett unterscheiden (so wie noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts Heinrich Christoph Koch in seinem Musikalischen Lexikon von 1802 das Quatuor vom vokalen Quartett unterscheidet). In früheren Jahrzehnten war das nicht […]
CPE Bach / Orazio Sciortino

Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich die Bach-Söhne ihren Weg gingen – biographisch wie kompositorisch. Als der wohl bedeutendste Wegbereiter der Klassik hat sich dabei Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788) erwiesen: sowohl durch seine Ästhetik angeht (nämlich die über die wahre Art, das Clavier zu spielen) als auch durch seine Werke, die vielfach etwas vollkommen […]
Grete von Zieritz

Seit einigen Jahren stehen Komponistinnen und ihre Musik hoch im Kurs – auf Alben, im Konzertsaal, selbst bei Verlagen. Viele (Wieder-)Entdeckungen konnten gemacht werden, auch mediokre Partituren waren dabei (wie eigentlich immer, auch bei Komponisten). Ein großer Name tauchte bisher freilich kaum auf, auch nicht bei repräsentativen Konzertreihen oder innovativen Festivals: der von Grete von […]
Bach-Kantaten: Gaechinger Cantorey / Rademann

Johann Sebastian Bach. The First Cantata Year Vol. 3 – Was aber ist an diesen Einspielungen – pars pro toto wie in jedem einzelnen Werk – eine Vision, wie sie im Motto versprochen wird? Die Antwort fällt schwer.
Klavierwerke / Victor Nicoara

In Sachen «Busoni» ist Victor Nicoara kein Unbekannter. Bereits vor 2021 erschien ein vorzügliches Album des aus Rumänien stammenden Pianisten mit Busonis insgesamt sechs Sonatinen (der Name täuscht über den wahren Anspruch auf allen Ebenen hinweg). Diesmal träumt sich Nicoara musikalisch ins Land der Polyphonie – mit der epischen Fantasia contrappuntistica BV 256 (1910–1922), aber […]
Eduard Erdmann / Mikhail Timoshenko

Eduard Erdmann (1896–1958) gehört zu den interessantesten Pianisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – nicht nur als Interpret, sondern auch als Komponist. Zwar wurden seine vier Sinfonien schon vor langer Zeit auf CD eingespielt (allerdings sind nicht alle Produktionen mehr lieferbar), aber die bedeutende Sonate für Violine solo op. 12 (1921) ist noch erreichbar. […]
Bernhard Sekles / Tehila Nini Goldstein

Vor 15 oder 20 Jahren war der Name des einst so bekannten Komponisten Bernhard Sekles (1872–1934) nur noch jenen vertraut, die sich mit Hindemith, Adorno oder Rudi Stephan beschäftigten. Als deren pädagogisch fortschrittlicher Lehrer am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurter am Main, der die junge Generation nicht gängelte, sondern im eigenständigen Suchen kritisch begleitete, hat er […]
Preußisch Blau / Sophia Aretz

Ein Album, so interessant wie die Geschichte des Preußisch Blau selbst, das Anfang des 18. Jahrhunderts in Berlin in einem alchimistischen Labor durch Zufall hervorgebracht wurde. Rasch machte die neue Farbe Karriere, denn sie ersetzte in der Malerei die aus dem kostbaren Lapislazuli gewonnene Farbe, die nur für die Darstellung kostbarster Gewänder eingesetzt wurde, wie […]
Mikhail Pochekin / Dvořák

«Wollen Sie mir ein Violinkonzert schreiben? Recht originell, kantilenenreich und für gute Geiger?» Mit diesen freundlichen Worten lockte der Verleger-Fuchs Fritz Simrock einst Antonín Dvořák zur Komposition eines überaus gelungenen, ferner auch noch mit böhmischen Farben durchsetzten Werkes. Mit der fertigen Partitur stieg Dvořák freilich im Repertoire in den Ring zu Bruch und Brahms, deren […]